Der Gaszähler

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Der Gaszähler

Sektor Verdun, den 14. September 1915

Sehr geehrte Herren der Verwaltung,

ich schreibe Ihnen diesen Brief aus den Schlamasseln und dem ohrenbetäubenden Lärm der vordersten Linie an der Maas. Seit Monaten stehe ich hier im Dienste unseres Vaterlandes, und meine Gedanken kreisen oft um mein Heim in der Rue de Rivoli.

Über meine Frau in Paris erreichte mich kürzlich Ihre Mahnung bezüglich der ausstehenden Gasrechnung für unser Appartement. Ich bitte Sie inständig um etwas Geduld und Nachsicht. Durch meinen Einzug in die Feldartillerie erhält meine Familie nur einen geringen Sold, der kaum für das tägliche Brot reicht. Ich versichere Ihnen, dass ich den ausstehenden Betrag begleichen werde, sobald es die Umstände erlauben.

Hier an der Front erleben wir derzeit eine ganz andere Art von Gas, die uns den Atem raubt. Seitdem die Deutschen im April bei Ypern erstmals Chlorgas gegen unsere Stellungen eingesetzt haben, fürchten wir jeden Windhauch, der uns den giftigen, grünlichen Nebel bringt. Wir behelfen uns notdürftig mit in Urin getränkten Stofftüchern, um nicht qualvoll zu ersticken, und hoffen, dass unsere Militärchemiker bald wirksame Masken entwickeln.

In Paris mag das Gas glücklicherweise nur dem Kochen und der Beleuchtung dienen, doch hier ist es zu einer teuflischen Waffe geworden. Ich bitte Sie daher nochmals, von weiteren drastischen Mahnungen an meine tapfere Frau abzusehen.

Mit vorzüglicher Hochachtung und in Erwartung besserer Tage,

Gefreiter Jean-Pierre L.
Artillerie-Regiment 104

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